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Lehre und Praxis

04 / Dezember / 2008
Der Leitzins wird immer als die schärfste Waffe der Notenbanken bezeichnet. Derzeit scheint sie äußerst stumpf geworden zu sein. Die Herren des Geldes übertreffen einander monatlich mit spektakulären Zinssenkungen. Die Wirkung bisher: gleich null. Die Zinssätze selbst bewegen sich mit großen Schritten auf den Nullpunkt zu. Bis nur noch die Frage bleibt: Womit kämpfen sie dann?

Wäre jeder von uns ein rational handelnder Homo oeconomicus, würden wir folgendermaßen überlegen: Die Nominalzinsen sind so niedrig, dass es sich angesichts der Geldentwertung derzeit nicht mehr auszahlt zu sparen. Konsumation oder Investments wären die vernünftige Folge. Doch die Wirtschaftstheorie hat andere Parameter nicht bedacht: Angst, Vertrauensmangel, die ansteckend wirken. Derzeit erscheint es vielen - Unternehmen wie auch Menschen - zu unsicher, sich vom Geld zu trennen.

Die Theorie sagt: Bei Nachfragemangel fallen die Preise, bis wieder ein Gleichgewicht entsteht. In einer angstfreien Umgebung würde dies wieder zu Käufen führen. Nicht jedoch in einem Klima wie jetzt: Wenn ein Preis für ein Gut - und auch Geld ist ein Gut - abrupt fällt (wie jetzt der Zins), werden Menschen skeptisch. Sie erwarten, dass es morgen noch billiger sein könnte als heute. Ergebnis: Die Firmen (Banken) bleiben auf ihrer Ware (Geld) sitzen, Kapazitäten werden abgebaut, Menschen verlieren ihre Jobs.

Die Notenbanker schlagen nur noch um sich, mit ihrer vielgepriesenen Waffe Leitzins - sei es in Boomphasen, wenn jeder kauft wie verrückt, oder in der Rezession, wenn alle Angst haben. Es zeigt sich: Marktwirtschaft funktioniert weniger durch die Geldverfügbarkeit als durch nachhaltiges Vertrauen der Marktteilnehmer zueinander.
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